Soziale und (inter-)kulturelle Bildung

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Die Förderung des Sozialverhaltens der Kinder beginnt in unserer Kindertagesstätte mit der „Ich“ Stärkung. Nanu, werden sich viele fragen, das Kind soll sich doch nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen, sondern vor allem lernen, mit anderen gut auszukommen. Stimmt! Und um dieses Erziehungsziel zu erreichen muss das Kind mit sich und seiner Umwelt zurechtkommen und dabei zufrieden und glücklich sein. Es soll stolz seine Besonderheiten erkennen, seine Begabungen entdecken und auch das, was es nicht so gut kann, als seine Eigenheiten akzeptieren lernen. Erst dann ist das Kind in der Lage, auf seine Mitmenschen zuzugehen, tolerant und friedlich mit anderen auszukommen, sich auf Unbekanntes interessiert einzulassen und Fremdes neugierig zu erforschen.

Im Kindergarten erhält das Kind Anregung und Unterstützung bei seiner Identitäts-Suche und Identitäts-Findung. Bei Spielen, Aktivitäten, Erlebnissen, Phantasien, bekommt es die Möglichkeit, sich selbst zu entdecken, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden, seine Wünsche und Träume zu erkennen, und das mit allen seinen Sinnen. Es entstehen Situationen, in denen sich das Kind tüchtig und erfolgreich erlebt, über seine Leistung staunt, selbständig wird, neugierig auf sein Leben ist und sich darauf freut, was es noch alles lernen kann. Selbständigkeit, emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz sind zentrale Inhalte unserer Konzeption. Eine Erziehung also, die ein Kind dabei unterstützen möchte, selbständig und selbstbewusst, glücklich und zufrieden zu werden, aufgeschlossen an seiner Umwelt interessiert; ein Mensch zu werden, der die Regeln des Zusammenlebens versteht und akzeptiert, der von sich aus bereit ist, sich in die Gemeinschaft einzufügen, und der ein angemessenes Sozialverhalten hat.


Wer sich in seiner Haut wohl fühlt, kann sicherer auftreten

Wir nehmen uns Zeit, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen (Wochenendgespräch, Rollenspielteilnahme, etc.) und stärken die Fähigkeit der Kinder, ihren Gefühlen zu trauen. Auf diese Weise entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens, in der die Kinder üben, sich mitzuteilen (siehe auch Sprachförderung) und sich als bedeutsam erfahren. Über verschiedene Themenbereiche, wie z.B. „Mein Körper“ lernen sie ihre Stärken kennen und ihre Schwächen akzeptieren. Sie sollen spielerisch verschiedene Möglichkeiten ausprobieren dürfen, um ihre ganz eigenen Wege und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Während sich der eine gleich viel besser fühlt, wenn er darüber spricht, was ihn bewegt, möchte der andere sich lieber erst einmal verkriechen und seine Ruhe haben oder sich im Gegenteil körperlich entladen und abreagieren. Und auch wenn nicht alle Lösungen, die im Spiel gefunden und erprobt werden, auf die tatsächliche Problemsituation anwendbar sind, wirken die spielerischen Erfahrungen für ein Kind entspannend und entlastend, weil es sich verstanden fühlt oder sich „phantastische Fluchtwege“ freihalten kann.

Wer weiß, was er will, kann mitreden

Durch unterschiedliche Rituale (z.B. Kinder zählen bis drei, Abstimmungen, gemeinsame Wochenplanung etc.) werden die Kinder zur Mitbestimmung aufgefordert und angeregt. Sie erfahren, dass sie das Recht auf freie Meinungsäußerung und Entscheidung haben und erhalten Gelegenheiten, sich darin zu üben und als Handelnde zu erleben. Sie lernen ihre Anliegen anzubringen und umzusetzten - sich ihre eigene Welt zu gestalten. Dies geschieht, indem sie nach uns nach eigenverantwortlich z.B. Spielzeugtage organisieren oder an der Gruppenraumgestaltung mitwirken. Siehe auch 'Kindermitbestimmung'

Wer sich angenommen fühlt, kann auf andere zugehen

Kinder, die sich selbst geachtet und angenommen fühlen, finden leichter Freunde, weil sie auch andere leichter achten und respektieren können. Sie können leichter abwarten und sich selber auch einmal für eine kurze Zeit zurücknehmen. Sie kennen Gefühle wie Fröhlichkeit, Traurigkeit, Ärger, Angst oder Wut von sich selbst und verstehen dadurch die Empfindung anderer und achten sie. Sie entwickeln Verständnis für die Verschiedenheit von Menschen und lernen, diese Verschiedenheit oder Handicaps zu akzeptieren. Wir achten darauf, einander mit Respekt zu begegnen. Hierzu gehören unter anderem Gesprächsregeln, wie konzentriertes zuhören, andere ausreden lassen, reagieren, ein freundlicher Umgangston etc. Im Spiel der Kinder werden Konzepte zwischen Realität und Vorstellungerprobt und gefunden. Nicht zuletzt werden sie einander Hilfe anbieten und annehmen können.

Wer mit anderen zusammen ist, entdeckt das WIR

Die Kinder erfahren und erleben bei uns, dass sie als eigenständige Persönlichkeit auch Teil eines ganzen sind, Freunde haben und in einer Gemeinschaft leben. Sie lernen zusammen zu agieren und erfahren, dass Kooperation lohnt. Dazu gehört, dass Absprachen formuliert und eingehalten werden. In unserer Einrichtung finden die Kinder Raum, auf eigene Art wahrzunehmen, sich auszudrücken und zu (be)deuten, ihr Können und Wissen zu erfahren und zu entwickeln. Das heißt, sie erleben: Jeder ist wichtig. Wir können uns miteinander verständigen, wir können einander näher kommen und miteinander vertraut werden; wir können etwas gemeinsam machen, Probleme und Konflikte zusammen lösen, Rücksicht aufeinander nehmen, uns um einander kümmern. Sie erleben, dass sie gemeinsam stark sein können.